Eine Nacht im Baum

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Hubschrauber und Alkohol passen nicht zusammen. Nun hatte ich gehofft, dass das mit Quadkoptern anders ist. Leider nein, wenn folgende Faktoren zusammen kommen:

* Ausgelassene Partystimmung

* Ein Flugfeld rundum von 20m-Bäumen begrenzt

* Abends aufkommender Wind, der oberhalb der Baumwipfel so richtig zupackt

* Beleuchtung am Quadkopter, die einen Nachtflug ermöglicht.

* Eine Horde Kinder, die “höher, höher!” rufen, obwohl man den winzigen Ladybird schon nur noch als rot-weissen Lichtpunkt zwischen den anderen Sternen sehen kann.

* Bierausschank auf der einen Seite und Caipi-Bar auf der anderen.

Das Ergebnis ist zwangsläufig eine Aussenlandung im Blätterdach. Kläglich leuchtet das rote Rücklicht herunter:

Am nächsten Morgen finde ich meine Markierung wieder und weiss, wo ich suchen muss. Aber ganz ehrlich, ein Ladybird kann sich mit seinen 10x10cm hinter ein paar Blättern komplett verstecken. Zu mal auf diese Entfernung.

Nach etwa 20 Minuten Nach-oben-starren, habe ich Schmerzen im Genick, und dann kommt auch noch die Sonne raus und blendet jetzt. Also erst mal Pause. Den Boden absuchen und die unteren Äste (in der Hoffnung er wäre schon von selbst heruntergekommen). Leider nichts.

Schliesslich erkenne ich den richtige Ast wieder. Im Bild genau in der Mitte, jedenfalls hab ich einen winzigen rot-orangen Strich gesehen, bevor ich den Auslöser drückte:

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Also erst einmal einen guten Blickwinkel finden und eine Stelle markieren, wo man ihn sicher sehen kann. Seitlich oder schräg geht garnichts, man muss direkt von unten in den Blätterhimmel starren. So ist die Höhe nur schwer zu schätzen, 10m oder so?

Bei Obi bekomme ich Dachlatten 3m lang, 5 Stück für 6.60 EUR. Ich nagel drei Latten zusammen, und stelle fest,

* dass diese 11m – Stange unter ihrem eigenen Gewicht durchbricht, wenn man sie unvorsichtig aufrichtet;

* dass man so eine langes Gerät zwischen den Bäumen gar nicht richtig bewegen kann. Zu viele Äste;

* dass es aber(!) eine Astgabel gibt, die auf etwa 8m Höhe als Abstützung dient. Nun denn.

Ich besorge noch eine leichte Bambusstange, 2.40m lang. Die kommt ans obere Ende von 2 Dachlattenlängen. Nun kann diese Stange vorsichtig aufgerichtet werden, ohne dass sie bricht. Das Ende ruht bald in der Astgabel. Gut.

Eine weitere Dachlatte wird am Boden vorbereitet, mit halb eingeschlagenen Nägeln. Schräg angestellt, kann die Verlängerung in gut 2m Höhe an die weiter geschobene Stange fluchtend angesetzt werden. Es findet sich auch ein hilfreicher Birkenstamm, welcher beim Zusammenageln gegenhält.

Langsam dirigiere ich das Ende der Bambusstage durch weitere Äste und Zweige hindurch, bis die Stange gar nicht mehr umkippen kann. Durch vorsichtiges Biegen und Drehen öffnet sich ein Weg in Richtung zu dem winzigen orangen Propellerchen, welches als einziges aus den im Sonnenlicht leuchtenden Blättern hervorlugt. Doch seitlich gesehen, wird rasch klar: da müssen noch zwei weitere 3m-Stücke dran, bevor die Bambusstange in der nötigen Höhe schaukelt. Schliesslich sieht das so aus:

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Plötzlich geht alles sehr schnell. Der Zweig mit dem Propeller bewegt sich. Ich stosse die (schon reichlich schwere) Stange noch einen Meter nach oben und der kleine Zweig wird heftig durchgeschüttelt. Dann raschelt oben etwas und fällt Ast um Ast nach unten, um schliesslich ein paar Meter weiter zu Boden zu plumpsen; drei Blätter segeln hinterher.

Der Ladybird liegt wohlbehalten im Gras. Akku wechseln, Funke einschalten, fliegt sofort. Voller Erfolg!

Als die Stange auch wieder am Boden liegt, messe ich nach: 16.5m. Beim nächsten mal aber dann mit dickerem Holz. 45x24mm ist zu wacklig. Ohne hilfreiche Astgabel ganz unmöglich.